Von Catherine
Ich lese aus beruflichen und privaten Gründen immer mal wieder Blogs (und Bücher) aus der Kategorie “feministische Blase” im deutschsprachigen www, wo sehr voraussetzungsvoll und oft ziemlich szenig über feministische Themen diskutiert wird. Wir DIYs kommen dort eigentlich nicht vor. DIY hat im deutschsprachigen Raum nur dann Anschlüsse an die “politischen” feministischen Diskurse, wenn irgendein subversiver Akt, wie das Umstricken von öffentlichen Gegenständen oder ähnliches, damit verbunden wird. Pussy Riot Mützen herstellen wäre z.B. mal was für so einen Bezug, weil die brauchen jetzt ja alle, das finde ich persönlich aber albern. Ich definiere das feministische im DIY sehr viel weiter: Z.B. ist für mich der MMM eine Art basisfeministische Initiative, die ganz viel Selbstermächtigung ausdrückt, weibliche Vernetzung, Support und Freiraum. Ich hab es für mich vor kurzem, im Zuge der anstehenden Überarbeitung des MMM so formuliert:
“Der MMM ist feministisch. Gefährlich! Er handelt vom Selbermachen. Vom massenhaften kreativ sein. Er handelt vom Ende der schnöden Konfektionsgröße. Er hasst das Wegwerf-Shoppingerlebnis. Er mag die Kunst des Handgefertigten. Er ist nicht Masse, sondern immer das Besondere. Er normiert niemals. Er ist die Verkörperung einer Botschaft: Sei du selbst und zeig es: Do it yourself!
Grrrr!!!!!!!!! ”
Vor einiger Zeit habe ich mich mit großem Erkenntnishunger und Interesse auf das Buch “Craftista! Handarbeit als Aktivismus” gestürzt, geschrieben vom Critical Crafting Circle. Endlich ein Buch, was meine Themen verbindet, Craftista sein und politisch voll bewusst! Spitze! Ihr könnt es euch vielleicht denken, die Enttäuschung folgte auf dem Fuße: Ich kam leider gar nicht vor. Weil ich nur schnöde Klamotten nähe. Das zählt leider nicht. Wieder nicht. Wie in all den Jahrhunderten zuvor auch schon nicht, richtig? Ich müsste zumindest mein “Hobby” Stricken als suversiven (und damit tendenziell nicht im Alltag tragbaren) Akt sehen, um mich zum globalen Netz der “Culture-Jamming-Avantgarde” zählen zu dürfen. Wie schade. Zur Ehrenrettung des Buches kann ich sagen, ich hab schon einiges Neues gelernt, über Strickerinnen in der französischen Revolution zum Beispiel. Aber ich habe auch einen Vorteil: Ich bin in den wissenschaftlichen Fachdebatten voll drin und habe fleißig akademische Titel gesammelt – die werden anscheinend auch vorausgesetzt, denn das Buch ist in einem derart exklusiven Tonfall verfasst, dass ich den Verdacht hege, es handelt sich eigentlich nur um eine Botschaft an den krass schick-radikalen Freundeskreis der Verfasserinnen und vielleicht noch um deren Freunde. Wenn ich mir dann aber angucke, wie wahnsinnig viele Frauen allein via Blog dokumentieren, dass sie total crafty sind – dann fehlt da doch irgendwie die Vermittlung, möchte ich meinen.
Mir ist immer die Frage der Anschlussfähigkeit in verschiedene Richtungen wichtig: Als bereits überzeugte Feministin kann ich aus dem DIY sicherlich jede Menge feministische Aspekte rauslesen, weil ich weiß, wie Kategorien der Arbeitsteilung entstehen, wie die Diskurse über Rollenbilder geführt wurden und werden und weil ich politische Rückschlüsse gerade auch aus scheinbar privaten Dingen ziehen kann. All das kann ich, weil es zum meinem Interessengebiet “Feminismus” gehört, so was zu wissen. Ganz wichtig finde ich aber die andere Seite: Kann frau aus dem DIY feministische Kritik entwickeln, die einer vorher vielleicht vollkommen gleichgültig war? Der Wert weiblicher (Hand-)Arbeit ist z.B. so ein Thema. Wie viele Frauen verkaufen quasi zum Selbstkostenpreis bei Dawanda, weil,es ist ja “nur” von ihnen so nebenbei gemacht worden? Welches Wertverständnis der eigenen Arbeit steckt dahinter? Welches Wertverständnis des eigenen Tuns wird ihnen von ihrer Umwelt mitgegeben? Wie viele Bloggerinnen schreiben für Lob und Ehre in DIY Magazinen und nicht für Geld? Für wie viele Frauen ist es eine verdammte Offenbarung, nie wieder eine Kaufjeans anziehen zu müssen? Klar, besonders subversiv und avantgardistisch ist das nicht. Und damit ist auch immer noch kein Baumstamm umhäkelt und kein Tampon bestickt. Aber es ist doch unbedingt einen feministischen Blick wert.
Dieser Text erschien ursprünglich im Blog Cat und Kascha





